Grüne wollen eigenständigen Islam unterstützen

Landesstiftung soll Einstellung von in Deutschland ausgebildeten Imamen ermöglichen

Die niedersächsischen Grünen fordern vom Land Niedersachsen, die niedersächsischen Moscheegemeinden dabei zu unterstützen, unabhängiger von den Herkunftsländern der bei uns lebenden Muslime zu werden. „Dass von der türkischen Religionsbehörde Imame in die DITIB-Moscheen in Deutschland entsandt werden, ist ein erhebliches Integrationsproblem“, meint Grünen-Landesvorsitzender Stefan Körner. „Die Imame sprechen oft zu wenig Deutsch und kennen Kultur und Situation im Land nicht. Die Anstellung bei der türkischen Religionsbehörde und der auf fünf Jahre begrenzte Einsatz in Deutschland halten sie abhängig von der Türkei. Sie können so nicht Leitfiguren für die bessere Integration von Menschen muslimischen Glaubens in unsere Gesellschaft und erst Recht nicht für eine europäische Auslegung des Islam sein“, so Körner.

Das Problem könne nur gelöst werden, wenn das Land die Moscheegemeinden dabei unterstütze, in Deutschland ausgebildete Imame einzustellen und unabhängig von ausländischer Hilfe zu werden. „Die Gemeinden leben ausschließlich von Spenden und können daraus kein eigenes Personal vollständig bezahlen. Wenn wir wollen, dass in den niedersächsischen Moscheen ein liberaler Islam gepredigt wird, müssen wir sie dabei unterstützen“, sagt Stefan Körner.

Die Mittel sollen nach dem Willen der Grünen aus einer neu zu gründenden Landesstiftung kommen, zu der das Land zunächst 500.000 € beisteuern soll. Über die Vergabe der Mittel, soll ein paritätisch mit Vertreterinnen und Vertretern des Landes und der muslimischen Gemeinden besetztes Gremium entscheiden. „So müssen sich beide Seiten darüber einig werden, wofür das Geld eingesetzt wird“, erklärt Stefan Körner. Es sei nötig, zu vertraglichen Vereinbarungen mit den muslimischen Organisationen zu kommen und dabei unter anderem den praktischen Teil der Imam-Ausbildung im Anschluss an das Hochschulstudium zu regeln. Den Vorschlag des niedersächsischen Wissenschaftsministers Thümler, Absolventinnen und Absolventen des Islam-Studiums einer deutschen Universität mit halber Stelle im Religionsunterricht an einer niedersächsischen Schule zu beschäftigen, damit sie mit der anderen halben Stelle als Imam tätig sein können, habe er mit Interesse aufgenommen. Er gehe in die richtige Richtung, greife aber zu kurz. “Wer Musliminnen und Muslime in Niedersachsen als wichtigen Bestandteil der Bevölkerung ernst nimmt und ihren Glauben als Bereicherung der Vielfalt unseres Landes sieht, der muss jetzt Nägel mit Köpfen machen!”