Gerecht und für alle: grüne Schulpolitik

Eine gute Schule ist eine Ganztagsschule, die längeres gemeinsames Lernen ermöglicht

Grüne Schulpolitik verfolgt das klare Ziel, allen Schüler*innen – unabhängig von ihrer sozialen, ethnischen und regionalen Herkunft – einen bestmöglichen Bildungsabschluss zu ermöglichen.

Deutschland hat im internationalen Vergleich eines der ungerechtesten, sozial selektivsten Schulsysteme: Kinder aus finanziell schlechter gestellten Haushalten haben bei uns deutlich geringere Chancen auf einen höheren Bildungsabschluss als Kinder aus sogenannten Akademikerfamilien. Bildungsarmut – und damit nicht selten auch materielle Armut – werden bei uns noch immer viel zu oft vererbt. Wesentliche Gründe sind die frühe Sortierung der Schüler*innen durch das gegliederte Schulsystem, das zudem kaum durchlässig ist. Hinzu kommt der Einfluss des Elternhauses auf den individuellen Lernerfolg. Dieser wirkt sich in der Regel an den immer noch weit verbreiteten Halbtagsschulen sogar noch stärker aus.

Darüber hinaus gewannen niedersächsische Schulen bereits mehrfach den Deutschen Schulpreis. Mit diesem Preis zeichnet die Robert Bosch Stiftung bundesweit Schulen aus, denen es gelingt, allen Kindern gerecht zu werden und qualitativ hochwertigen Unterricht anzubieten. Der Preis benennt auch Schulen, die inklusive Schule erfolgreich umsetzen und Kinder mit Zuwanderungsgeschichte uneingeschränkt und individuell fördern. 2017 kamen vier der 14 nominierten Schulen aus Niedersachsen. Sie dienen als Best-Practice-Beispiele und stehen stellvertretend für alle Schulen, die mit kreativen pädagogischen und didaktischen Methoden modernen Unterricht gestalten.

Schwarz-Gelb hatte die Gründung von Gesamtschulen zehn Jahre lang torpediert und das Thema Ganztagsschulen vernachlässigt. 2013 haben wir GRÜNEN die Weichen neu gestellt: 521 Ganztagsschulen wurden seitdem gegründet und die Zahl der Ganztagsschulen ist mit Beginn des Schuljahres 2016/2017 auf über 1.700 Schulen gestiegen. Den Ganztagsschulen wurden zudem deutlich mehr Lehrer*innenstunden zugewiesen, so dass auch am Nachmittag inzwischen pädagogisch geleitete Angebote stattfinden können und nicht nur Hausaufgabenbetreuung.

Mit der Umstellung von G8 auf G9 haben wir mehr Lernzeit geschaffen und haben Schulstress abgebaut. Das Turbo-Abitur wurde damit endlich abgeschafft. Mit der Beendigung der Schullaufbahnempfehlungen nach Klasse vier haben wir die notwendigen Konsequenzen aus der Erfahrung gezogen, dass Kinder aus Nicht-Akademiker*innenfamilien auch bei gleichen Leistungen deutlich seltener eine Gymnasialempfehlung bekommen haben als Kinder aus Akademiker*innenfamilien. Der Elternwille wurde damit gestärkt. In den Klassen drei und vier haben wir jahrgangsübergreifenden Unterricht eingeführt sowie den Grundschulen die Option eröffnet, auch in dieser Jahrgangsstufe Leistungsberichte statt Notenzeugnisse auszustellen – damit haben wir weitere wichtige bildungspolitische Weichen gestellt.

Gute Bildung ist eine Investition in unsere Zukunft. Deshalb haben wir dafür gesorgt, dass die Ausgaben für Kita und Schule seit 2013 um mehr als eine Milliarde auf aktuell fast sechs Milliarden Euro gestiegen sind. Wir wollen uns auch weiterhin dafür einsetzen, die Investitionen zu erhöhen.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzen sich auch weiter dafür ein, dass alle Kinder und Jugendlichen bestmöglich gefördert werden und gleiche Chancen bekommen. Hierfür steht unser Konzept einer neuen Schule, die als attraktive Ganztagsschule Freiräume für individuelle Förderung und Entwicklung in einem guten Lernumfeld anbietet. Das Konzept beinhaltet eine modern gestaltete und an zukünftigen Kompetenzen, zum Beispiel im Umgang mit neuen Technologien wie Tablets, ausgerichtete Ausstattung von Unterrichtsräumen.

Ideologische Kämpfe um die unterschiedlichen Schulformen zu Lasten der Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen müssen ein Ende haben. Gute Schule und eine vernünftige Schulentwicklungsplanung funktionieren nur mit einem tragfähigen politischen und gesellschaftlichen Konsens. Es ist für unsere Schulen entscheidend, dass sich alle politischen Akteure gemeinsam auf diese Ziele verpflichten und dafür Verantwortung übernehmen. Vor diesem Hintergrund setzen wir uns für einen gesellschaftlichen Beirat des Kultusministeriums ein, der alle an Schule Beteiligten mitnimmt.

Schulstress kommt nicht in die Tüte

Jeder Mensch ist verschieden und lernt unterschiedlich. Deshalb steht für uns das „Lernen im eigenen Takt” bei der Weiterentwicklung von Schule im Mittelpunkt. Mit der Möglichkeit des jahrgangsübergreifenden Lernens und des Ersatzes der Ziffernnoten an Grundschulen durch Lernentwicklungsberichte sowie der Abschaffung des Turbo-Abiturs haben wir den Schulen die notwendigen Handlungsspielräume gegeben. Wir setzen uns dafür ein, dass in fächerübergreifenden Projekten und in fachbezogenen Lernlaboren zunehmend mehr Schüler*innen selbstständiges Lernen erlernen.

Auf den Anfang kommt es an! Deshalb wollen wir die offene Eingangsstufe der Grundschule, eine gemeinsame Klasse der ersten beiden Schuljahrgänge, die je nach individuellem Lernfortschritt auch ein Jahr länger besucht werden kann, noch stärker fördern. Wir GRÜNEN wollen jahrgangsübergreifendes Lernen zukünftig in allen Jahrgängen ermöglichen. Auch an weiterführenden Schulen wollen wir jahrgangsübergreifendes Arbeiten stärker etablieren.

Durch die Senkung des Einschulungsalters kommen immer mehr Kinder in die Schulen, für die dies aufgrund ihrer Entwicklung noch viel zu früh ist. Nicht nur Lehrer*innen beklagen dies, auch wissenschaftliche Untersuchungen sehen diese Entwicklung kritisch. Wir werden das Einschulungsalter daher wieder anheben. Im begründeten Einzelfall soll eine frühere Einschulung weiterhin möglich sein.

Mehr Zeit zum Lernen ist ein wichtiger grüner Erfolg. Für die Zukunft wollen wir erreichen, dass der Weg zum Abitur noch individueller gestaltet werden kann. Wir wollen es Schulen ermöglichen, ein „Abitur im eigenen Takt“ anzubieten, indem Schüler*innen ihren Stundenplan selbst gestalten und organisieren können und somit noch besser auf das Leben nach der Schule vorbereitet werden.
Sitzenbleiben und erzwungene Schulwechsel sind individuelle Erfahrungen des Misserfolgs, die sich in aller Regel negativ auf den weiteren Bildungsweg auswirken. Wie in den meisten anderen europäischen Ländern wollen wir darauf verzichten. Wir wollen individuelle Lernförderung vorantreiben, statt Schüler*innen mit antiquierten Maßnahmen zu beschämen und als zu wenig leistungsfähig oder -bereit zu stigmatisieren und aus ihrer gewohnten Lerngruppe zu reißen. Unser Ziel bleibt, das Sitzenbleiben und die Abschulung in Niedersachsen überflüssig zu machen. Deshalb werden wir auch Gymnasien dabei unterstützen, dass aufgenommene Schüler*innen bis zum Sek I-Abschluss an der Schule verbleiben.

Gute Schule ist Ganztagsschule

Mit 260 Millionen Euro haben wir ein Investitionsprogramm zum Ausbau von Ganztagsschulen auf den Weg gebracht. Mehr als zwei Drittel aller Schulen werden im Jahr 2018 Ganztagsschulen sein.

Die Ganztagsschule ist ein wichtiger Bestandteil eines gerechten und guten Schulsystems. Wir wollen keine „Ganztagsschule light“, die als Verwahrstation für Schüler*innen am Nachmittag fungiert. Unser Ziel ist stattdessen ein gebundenes, qualitativ hochwertiges Ganztagsschulkonzept, bei dem durch einen
rhythmisierenden Tagesablauf Lerneinheiten mit Bewegungszeit, kreativen Phasen und Angeboten mit außerschulischen Akteur*Innen innen sinnvoll aufeinander abgestimmt werden. Hier sehen wir GRÜNEN weiterhin einen hohen Handlungsbedarf und setzen uns konsequent ein, die Qualität der Ganztagsschule weiter auszubauen. Dazu gehören qualifiziertes und engagiertes Lehrpersonal, eine gute Ausstattung mit Infrastruktur und Lehrmaterial sowie verlässliche und kontinuierliche Unterrichtsangebote und eine gute Vernetzung innerhalb ihres räumlichen Umfeldes.

Hierbei sind dauerhafte Kooperationspartner und eine Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe auf Augenhöhe unabdingbar. Dafür brauchen die Kooperationspartner, wie Musikschulen, Künstler*innen, Jugendverbände und Sportvereine, ebenso wie die Schulleitungen klare und verlässliche Rahmenbedingungen, die ihnen eine langfristige Planung und Kooperation ermöglichen. Schule ist Teil einer Bildungslandschaft und kann durch diese Kooperation insbesondere für den Ganztag profitieren. Kooperationen im Stadtteil der Schulen, also im Lebensumfeld der Schüler*innen, auch mit den Akteur*innen der Zivilgesellschaft, ermöglichen Schüler*innen zusätzlich ein außerschulisches gestaltendes Engagement. Auch sollen sogenannte familienergänzende Angebote, bei denen für die ganze Familie Ernährungs- und Erziehungstipps oder Gesundheitsinformationen an der Schule stattfinden, eine stärkere Rolle im Ganztag einnehmen. Bei der Weiterentwicklung des Ganztags soll insbesondere die große Erfahrung der Horte genutzt werden. Hierfür bedarf es noch besserer Rahmenbedingungen. Besonders die finanzielle Ausstattung muss erhöht werden, damit Ganztagsschulen qualitatives Personal einsetzen können. Die hohen Standards in der Qualität von Fachkräften sowie im Betreuungsschlüssel, die bisher in der Hortbetreuung vorhanden sind, dürfen nicht einfach durch preiswertere und schlechtere Standards im Ganztagsbetrieb ersetzt werden. Hortangebote der Kommunen stellen eine gute Ergänzung dar, um eine verlässliche Betreuung der über Sechsjährigen sicherzustellen.

Gerechte Schule und längeres gemeinsames Lernen

Internationale Bildungsstudien kommen alle zum gleichen Ergebnis: Vom gemeinsamen Lernen profitieren alle: Lernstärkere genauso wie lernschwächere Schüler*innen. Und dort, wo Durchlässigkeit zwischen den Schulformen nicht nur von oben nach unten – wie in unserem klassisch gegliederten Schulsystem – sondern auch von unten nach oben funktioniert, haben Kinder aus bildungsferneren Elternhäusern deutlich bessere Chancen. Wir GRÜNEN stehen für eine durchlässige Schule, die jedes Kind mit seinen Stärken und Schwächen im Blick behält. Schule eröffnet Chancen, die eigenen Begabungen zu stärken und hilft, an Schwächen zu arbeiten. Für uns ist deshalb das längere gemeinsame Lernen ein zentrales bildungspolitisches Vorhaben, um Schüler*innen alle Bildungsoptionen offenzuhalten und das Von- und Miteinander-Lernen zu befördern. Hierzu werden wir die Integrierten integrierten Gesamtschulen weiter stärken und auch die Gymnasien durchlässiger gestalten.

Gute Übergänge zwischen Kindergarten, Grundschule und weiterführenden Schulen sind eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Bildungswege. Die schulpolitische Realität ist die, dass wir uns in diesem Bundesland acht Schulformen nebeneinander leisten, die Aufstieg, Abstieg oder Mittelklasse bedeuten. Internationale Bildungsstudien kommen alle zum gleichen Ergebnis: Vom langen gemeinsamen Lernen profitieren alle. Daher setzen wir uns in Niedersachsen für die modellhafte Erweiterung von Integrierten integrierten Gesamtschulen um Primarstufen ein. In diesem Sinne unterstützen wir auch Initiativen, die beispielsweise Oberschulen zu Integrierten integrierten Gesamtschulen weiterentwickeln.

Wir haben die hohen Hürden für die Gründung neuer Integrierter integrierter Gesamtschulen abgebaut und dafür gesorgt, dass sie vergleichbare Bedingungen wie andere Schulformen bekommen. Die schwarz-gelbe Hürde, neue Gesamtschulen nur dann gründen zu dürfen, wenn sie das dreigliedrige Schulsystem nicht gefährden, haben wir abgeschafft. Die kommunalen Schulträger können Integrierte integrierte Gesamtschulen jetzt auch als ersetzende Schulform gründen. Insbesondere im ländlichen Raum erleichtert die Ausnahmeregelung für dreizügige Gesamtschulen die Gründung dieser Schulform. Zukünftig wollen wir an Integrierten integrierten Gesamtschulen auch die Einrichtung einer Oberstufe erleichtern. Die Aufgabenvielfalt der integrierten Gesamtschulen erfordert eine Senkung der Klassengrößen.

Chancen von Schulverbünden nutzen

Gerade im ländlichen Raum konkurrieren Schulen um die Schüler*innen, die den Weg zum Abitur gehen. Hier ermöglichen Kooperationen Wahlfreiheit der Schüler*innen und Eltern. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass weiterführende Schulen eine gemeinsame Oberstufe anbieten können. Derartige Schulverbünde bieten die Möglichkeit, in ländlichen Räumen weiterhin ein attraktives Schulangebot vorzuhalten. Deshalb wollen wir GRÜNEN die Gründung von Schulverbünden vorantreiben.

Gesunde Ernährung in Schulen etablieren

Durch den Ausbau der Ganztagsschulen hat auch die gesunde Ernährung der Kinder und Jugendlichen in den Schulen eine immer größere Bedeutung bekommen. Deshalb wollen wir ein „Landesprogramm für gutes Schulessen“ auf den Weg bringen, um Kommunen finanziell dabei zu unterstützen, dass jedes Kind an jeder Schule eine warme Mahlzeit aus gesunden, regionalen, saisonalen Komponenten mit möglichst hohem Bio-Anteil erhalten kann. Hierbei sollen die Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) bei Ausschreibungen verbindlich berücksichtigt und die Projekte regelmäßig evaluiert werden. Wir haben mit unserem Schulobstprogramm hier bereits gute Erfahrungen gemacht. Dieses bietet Grundschulkindern dreimal wöchentlich eine Portion gesundes Obst und Gemüse an und wurde von den kommunalen Schulträgern und den Schulen gern angenommen. Deshalb werden wir das Programm weiter ausbauen (siehe 3.6, Wahlfreiheit für Verbraucher*innen).

Tierschutz als Bildungsauftrag

Die Entwicklung sozialer Kompetenzen wie Mitgefühl, Fürsorglichkeit und Verantwortungsbewusstsein erfolgt bereits im Kindesalter. Daher wollen wir das Thema Tierschutz und den kompetenten Umgang mit Tieren verstärkt in pädagogische Konzepte einbinden.

Schule in Bewegung

Wer den ganzen Tag in der Schule sitzt und lernt, braucht auch Bewegungszeiten. Gerade der Ganztag bietet verschiedene Möglichkeiten, in Form eines rhythmisierten Schultags auch die Bewegungszeiten an Schulen deutlich auszuweiten. Das Ziel einer regelmäßigen, täglichen Bewegungseinheit an Schulen über Angebote des Ganztags, aber auch zwischen den Schulstunden, wollen wir weiter etablieren.

Mehr Freiräume an den Schulen

Eine gute Schule lebt von pädagogischen Freiräumen durch Projekte, fächerübergreifendes Lernen, selbstbestimmte Lernzeiten, soziale Verantwortung und Bildungsangebote für nachhaltige Entwicklung. Wir GRÜNEN setzen uns auf Bundesebene dafür ein, diese Freiräume weiter auszubauen und auch das Gründen von Modellschulen zu vereinfachen.

Wir setzen uns dafür ein, das Arbeiten in fächerübergreifenden Projekten und in fachbezogenen Lernlaboren an Schulen weiter zu verankern. Die beste Förderung sind kleine und große, am Erfahrungsraum der Schüler*innen ausgerichtete fächerübergreifende und aktivierende Projekte mit fachlicher Begleitung, auch um der Komplexität unserer gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Realität gerecht zu werden. Dies schließt theoretische und praktische Kompetenzen zum Beispiel in Ernährungswissenschaften ebenso ein wie den Umgang mit defekten Geräten und die Fähigkeit, diese zu reparieren. Um solche Freiräume auch zu leben und zu entwickeln und für allgemeinbildende Schulen auch vorzudenken, setzen wir GRÜNEN uns auf Bundesebene dafür ein, diese Freiräume weiter auszubauen und auch die Möglichkeit zur Gründung von Modellschulen zu vereinfachen. Denn gerade diese Modelle sind häufig der Motor zur Entwicklung guter Schulen.

Schlüsselrolle der Bildung für nachhaltige Entwicklung

Die nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft ist eine der Zukunftsaufgaben des 21. Jahrhunderts. Der Bildung für nachhaltige Entwicklung und dem globalen Lernen kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Wir GRÜNEN möchten diese deshalb in Niedersachsen noch weiter stärken.

Bildung für nachhaltige Entwicklung und globales Lernen sind Querschnittsthemen schulischer Bildung, in denen die Herausforderungen der Zukunft thematisiert und Lösungsmöglichkeiten entwickelt werden. Daher setzen wir uns dafür ein, Bildung für nachhaltige Entwicklung und globales Lernen in Kitas sowie in Schulen weiter in den Lehrplänen zu verankern und dabei fächerübergreifende und handlungsorientierte Konzepte zu fördern.

Auch außerschulische Lernstandorte wollen wir weiter fördern, insbesondere deren Nutzung in Kerncurricula integrieren und somit schulische und außerschulische Bildung miteinander verknüpfen. Das bereits bestehende Netzwerk der anerkannten außerschulischen Lernstandorte zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), inklusive der Regionalen Umweltbildungszentren (RUZ), soll gestärkt und erweitert werden. Es sollen mehr pädagogische Fachstunden abgeordnet werden und die Qualität soll durch entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen gesichert werden. Auch Eine-Welt-Zentren können als außerschulische Lernorte wertvoll sein.

Weiterhin soll das bundesweite Eine-Welt-Promotor*innen-Programm verstetigt und erweitert werden. Die vom Bund bereitgestellten Fördermittel sollen genutzt werden, um das Netzwerk der Regionalpromotor*innen auszuweiten, die Öffentlichkeitsarbeit zu verstärken und die entwicklungspolitische Partnerschaftsarbeit zu unterstützen. Internationale Kooperationen zwischen Schulen sollen weiterhin unterstützt und ausgebaut werden.

Freie Schulen fördern

Freie Schulen haben einen hohen Wert in unserer Gesellschaft. Sie sorgen mit zusätzlichen Angeboten für eine vielfältige Schullandschaft, indem sie andere Lernformen entwickeln und damit auch die Weiterentwicklung allgemeinbildender Schulen vorantreiben. Vor diesem Hintergrund werden wir die freien Schulen weiterhin unterstützen. Wir begrüßen die Diskussion über die Berechnungsgrundlagen der Finanzierung, um auch Aufgaben wie etwa die Inklusion angemessen zu berücksichtigen. Dies werden wir weiter positiv begleiten.

Lehrer*innen unterstützen und Schule besser machen

Lehrer*innen leisten in Niedersachsen einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft. Tagtäglich engagieren sie sich mit großer Leidenschaft für die Schüler*innen. Sie entwickeln Schulen aktiv weiter und machen sie besser. Die Anforderungen an die Lehrer*innen haben sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt und deutlich erhöht. Viele Reformen der Schulpolitik haben zu einer erheblichen Mehrbelastung der Lehrer*innen geführt. Diesen Belastungen wollen wir GRÜNEN entgegentreten und deshalb die Rahmenbedingungen verbessern. Es ist unser Anspruch, dass das Land Niedersachsen, auch im Vergleich zu den anderen Bundesländern, ein attraktiver Arbeitgeber ist und gute, verlässliche Arbeitsbedingungen bietet. Hierzu müssen auch Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen auf den Weg gebracht werden wie etwa eine Anpassung der Altersermäßigung.

Noch immer werden Lehrer*innen an Grund- und Hauptschulen schlechter bezahlt und schlechter gestellt als an anderen Schulformen. Wir wollen daher Grund- und Hauptschullehrer*innen besser bezahlen.

Wir GRÜNEN setzen uns für den Aufbau einer regionalen Beratungs- und Unterstützungsstruktur in ganz Niedersachsen ein, damit die zahlreichen Hilfsangebote auch tatsächlich bei den Lehrer*innen ankommen. Mit der Initiative zur Einführung des Schulfeedbacks anstelle der alten Schulinspektion haben wir hier einen ersten Schritt getan, um Lehrer*innen gezielter zu unterstützen. Gleichzeitig wollen wir sie von Verwaltungsaufgaben und Dokumentationspflichten entlasten, insbesondere an kleinen Grundschulen. Über eine Aufstockung von Schulverwaltungskräften und mehr schulische Sozialarbeit sowie mit dem gezielten Einsatz von pädagogischen Mitarbeiter*innen kann Schule den heutigen Anforderungen besser gerecht werden.

Ausbildung von Lehrer*innen weiterentwickeln

Wir GRÜNEN wollen die Ausbildung von Lehrer*innen reformieren, um sie besser auf die veränderten und zunehmend wachsenden Herausforderungen des Berufs vorzubereiten. Wir wollen Lehrer*innen nicht länger nach Schulformen getrennt ausbilden, sondern Studiengänge mit einer inklusiven Ausrichtung nach Jahrgangsstufen ausbilden. Darüber hinaus werden wir eine Qualifizierungsoffensive für guten Unterricht auf den Weg bringen, um Lehrer*innen auf die Herausforderungen einer inklusiven Pädagogik noch besser vorzubereiten. Auch soll der Anteil an praktischer pädagogischer Erfahrung im Studium ausgebaut werden. Zudem muss Multiprofessionalität und Teamwork in der Aus-, Fort- und Weiterbildung noch stärker verankert werden. Die Lehrerbildung muss in beiden Ausbildungsphasen noch stärker an den Bedürfnissen der integrativ arbeitenden Schulen ausgerichtet werden. Hierfür werden wir Rahmenbedingungen schaffen. Wir setzen uns dafür ein, dass der fächerübergreifende Ansatz dieser Schulen in die Ausbildung einfließt.

Inklusive Schulen voranbringen

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzen sich dafür ein, dass allen Kindern und Jugendlichen erfolgreiches Lernen ermöglicht wird – unabhängig von ihren individuellen Fähigkeiten und sozialen Voraussetzungen. Schulen müssen heutzutage mit vielfältigen Herausforderungen umgehen. Dies kann nur in inklusiven Schulen gelingen. Wir wissen, dass die Entwicklung der inklusiven Schule einen gesellschaftlichen Umbruch darstellt, der viele Fragen aufwirft und im Prozess immer wieder zu Herausforderungen führt. Durch die Änderungen des Schulgesetzes 2012 und 2015 sind wichtige Richtungsentscheidungen vorgenommen worden. Die Entwicklung braucht Zeit, Haltung, genügend Ressourcen, abgestimmte Maßnahmen, Planungssicherheit und immer wieder Nachsteuerung.

Wir GRÜNEN übersehen nicht, dass Inklusion ein strittiges Thema ist und die Umsetzung bisher nicht überall gelingt und noch weiterentwickelt werden muss. Zu viele Schulen werden noch nicht genügend unterstützt und ausgestattet, Eltern sind unzufrieden. Kennzeichnend für den derzeitigen Entwicklungsstand ist aber auch, dass über gelungene Entwicklungen wenig gesprochen wird. Deshalb werden wir den Prozess anhand der individuellen Rahmenbedingungen vor Ort weiterführen und Raum für regionalspezifische Lösungen im Übergangsprozess geben. Jede Region muss bei der Entwicklung ihrer inklusiven Schulen dort abgeholt werden, wo sie ist, und im Prozess individuell begleitet werden.

Die inklusive Schule bietet die Chance, Schule insgesamt für alle Schüler*innen besser zu machen. Sie kann der Beginn für eine neue Pädagogik sein, die stärker die unterschiedlichen Bedürfnisse im Unterricht und die individuellen Kenntnisse jedes Kindes im Blick hat. Die Weiterentwicklung der Inklusion ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und bezieht alle Schulformen ein. In der Praxis sind es vor allem die Grundschulen, die Oberschulen und die Integrierten Gesamtschulen, die zieldifferent arbeiten. Wir wollen alle Schulen, die inklusiv arbeiten, gezielt unterstützen, damit sie ihren Aufgaben besser gerecht werden können. Auch die Gymnasien müssen in regionalen Konzepten stärker einbezogen werden.
Um den Weg zu einer inklusiven Schule für alle zu beschreiben und den Schulen für den Prozess Planungssicherheit zu geben, hat die Landesregierung auf grüne Initiative ein Rahmenkonzept für inklusive Schulen auf den Weg gebracht. Personalentwicklung, Multiprofessionalität, Barrierefreiheit sowie eine inklusive Pädagogik bilden hierfür die Grundlagen. Mit der Einrichtung der Regionalen Beratungs- und Unterstützungszentren Inklusive Schule (RZI) haben wir eine Struktur eingeführt, die den Prozess der Inklusion in den Regionen koordiniert und begleitet. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzen sich für ein transparentes Verteilungsverfahren und die Steuerung von Ressourcen an inklusiven Schulen ein. Hierzu gehört perspektivisch auch die Einführung einer sonderpädagogischen Grundversorgung an weiterführenden Schulen. Sonderpädagog*innen sollen an den allgemeinbildenden Schulen zu einem festen Teil des Teams werden, statt wie bisher von Förderschulen abgeordnet zu werden. Auch andere Berufsgruppen, wie etwa Logopäd*innen oder Ergotherapeut*innen, Erzieher*innen und Schulsozialarbeiter*innen, werden an inklusiven Schulen gebraucht. Die eingerichteten RZIs wollen wir weiterentwickeln und ausbauen. Zur besseren Beratung und Unterstützung in den RZIs gehört auch der flächendeckende Ausbau der mobilen Dienste. Gerade letzteren kommt im Bereich der Beratung und Unterstützung, aber auch der Schulentwicklung hin zu einer inklusiven Schule, eine zentrale Rolle zu.

Schule vielfältig aufstellen

Wir GRÜNEN setzen uns dafür ein, dass eine Schule für alle sich in ihren Angeboten noch stärker als bisher auf eine vielfältige Gesellschaft einstellt. Dazu zählt das Abbilden der gesellschaftlichen Lebensrealitäten in den einzelnen Schulfächern ebenso wie das Fördern der Mehrsprachigkeit. Hierzu wollen wir GRÜNEN die Angebote ausweiten. Mit der erfolgreichen Initiierung eines Modellprojektes in Hannover ist ein erster Schritt erfolgt, den wir zukünftig an allen Schulen in Niedersachsen etablieren wollen. Auch die Angebote zur Sprachförderung müssen weiterentwickelt und ausgeweitet werden. Außerdem unterstützen wir, dass mehr Lehrer*innen mit Migrationshintergrund die Vielfalt in den Kollegien bereichern.

Wir setzen uns in der Berufsorientierung an Schulen dafür ein, dass Geschlechterstereotype überwunden werden. Auch heute noch werden bestimmte Berufe vorrangig von Männern oder Frauen gewählt. Dieses Muster wollen wir durchbrechen.

Schule darf nicht vom Geldbeutel abhängen

Wir GRÜNEN setzen uns für eine kostenlose Bildung von Anfang an ein. Ziel bleibt es für uns, perspektivisch die Lernmittelfreiheit ebenso einzuführen wie die unentgeltliche Schülerbeförderung auch in der Sekundarstufe II. Einen ersten Schritt ist Niedersachsen dank grüner Regierungspolitik bereits gegangen: Die rot-grüne Landesregierung stellt seit 2017 den Kommunen jährlich 20 Millionen Euro zusätzlich für die Verbesserung des ÖPNV zur Verfügung. Die Kommunen können dieses Geld auch für die kostenlose Schülerbeförderung in der Sekundarstufe II verwenden.

Kein Abschluss ohne Anschluss

Das Prinzip „Kein Abschluss ohne Anschluss“ muss auch an den weiterführenden Schulen konsequent weiter umgesetzt werden. Mit der Ausbildungsplatzgarantie haben wir in verschiedenen Regionen Niedersachsens ein Modell eingeführt, das wir auf ganz Niedersachsen übertragen wollen. Jugendberufsagenturen und Schulsozialarbeiter*innen begleiten hier Jugendliche bei der Entwicklung ihrer eigenen Bildungsbiographie. In der Weiterentwicklung der Bildungsübergänge können die Bildungsregionen noch stärker genutzt und vorangebracht werden. Außerdem setzen wir uns dafür ein, die Arbeit der rund 100 niedersächsischen Jugendwerkstätten und den der Pro-Aktiv-Center (PACE) auch nach Ablauf der jetzigen ESF-Förderperiode weiterzuführen. Hierfür werden wir uns auf Landesebene einsetzen. Dem Schulschwänzen wollen wir darüber hinaus durch eine engere Verzahnung von Jugendhilfe und Schule begegnen.

Wir machen Schule demokratischer

Wir GRÜNEN setzen uns dafür ein, dass an Niedersachsens Schulen die Beteiligung der Schüler*innen und Eltern, aber auch weiterer Statusgruppen, deutlich verbessert wird. Demokratie lernen heißt auch, Demokratie leben. Hier setzen wir uns dafür ein, eine demokratische Kultur an Schulen zu etablieren. Ob es nun die Einrichtung von Schulplenen, das Initiativrecht im Schulvorstand, die Mitgestaltung der Unterrichtseinheiten oder andere Formen der Beteiligung der Statusgruppen an Schulen sind – wir GRÜNEN werden an Schulen mehr Beteiligung ermöglichen und diese durch flächendeckende Qualifizierungsangebote für Schüler*innen und Eltern fördern.